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Druck lass nach

Wer kennt das nicht. Man geht mit dem eigenen Hund spazieren und kommt an einem fremden Hund vorbei. Der läuft locker an der Leine, schaut kurz, bleibt ruhig. Und im eigenen Kopf taucht dieser Gedanke auf: Mensch, warum geht das bei uns nicht so?

Oder man sitzt ohne Hund im Café, weil der eigene Hund damit (noch) überfordert wäre. Am Nebentisch liegt ein anderer Hund entspannt unter dem Stuhl, hebt nicht mal den Kopf. Und man denkt: Ach, wie schön wäre das.

Solche Gedanken sind menschlich. Sie passieren auch mir als Hundetrainerin. Sie dürfen da sein. Man darf sie wahrnehmen und auch kurz schade finden. Entscheidend ist nur, was wir im nächsten Moment daraus machen.

Wer kennt das nicht. Man geht mit dem eigenen Hund spazieren und kommt an einem fremden Hund vorbei. Der läuft locker an der Leine, schaut kurz, bleibt ruhig. Und im eigenen Kopf taucht dieser Gedanke auf: Mensch, warum geht das bei uns nicht so?

Oder man sitzt ohne Hund im Café, weil der eigene Hund damit (noch) überfordert wäre. Am Nebentisch liegt ein anderer Hund entspannt unter dem Stuhl, hebt nicht mal den Kopf. Und man denkt: Ach, wie schön wäre das.

Solche Gedanken sind menschlich. Sie passieren auch mir als Hundetrainerin. Sie dürfen da sein. Man darf sie wahrnehmen und auch kurz schade finden. Entscheidend ist nur, was wir im nächsten Moment daraus machen.

Jeder Hund ist ein Individuum – genau wie wir

Unser eigener Hund ist nicht weniger wert, nur weil er andere Dinge braucht oder andere Herausforderungen mitbringt. Hunde sind Individuen. Mit eigener Persönlichkeit, eigener Geschichte, eigenen Stärken und Schwächen.

Der eine Hund ist vielleicht unglaublich entspannt in Cafés, dafür aber wenig belastbar beim Alleinbleiben. Der andere ist sportlich, verspielt, ausdauernd – aber unsicher bei Hundebegegnungen. Und wieder ein anderer bringt Humor, Sensibilität oder eine besondere Nähe zu seinen Menschen mit.

Das ist nichts anderes als bei uns Menschen. In der Schule gab es die, denen Mathe leichtfiel. Andere waren sportlich, kreativ oder sozial besonders stark. Und ja, es gibt immer auch einzelne, bei denen man denkt, sie können irgendwie alles.

Oft spielen dabei Dinge eine Rolle, die wir kaum beeinflussen können. Genetische Voraussetzungen, frühe Erfahrungen, ein stabiler oder eben schwieriger Lebensstart. Gerade auch, aber nicht nur, bei Hunden aus dem Tierschutz.

Warum Vergleiche so viel Druck machen

Der Druck entsteht nicht durch den Vergleich selbst, sondern durch das Ziel, das wir daraus machen. Wenn unser innerer Maßstab plötzlich lautet, dass unser Hund nach außen hin möglichst vorzeigbar sein soll, verlieren wir leicht den Blick für das Wesentliche.

Denn seien wir ehrlich: Niemand von uns würde seinen Hund gegen einen anderen eintauschen – egal wie perfekt dieser vielleicht wirkt. Wir lieben diesen Hund. Und wir haben nur eine begrenzte gemeinsame Zeit. Das Ziel sollte deshalb nicht sein, dass andere denken: Mensch, ist das ein toll erzogener Hund. So schön Lob auch ist, es ist nicht der Grund, warum wir einen Hund haben.

Viel wichtiger ist doch, dass unser Alltag, den wir vielleicht auch an unseren Hund angepasst haben, mit diesem Hund funktioniert. Dass wir uns verstehen. Dass wir gemeinsam eine gute Zeit haben.

Beziehung entsteht durch Verständnis, nicht durch Perfektion

Je weniger wir versuchen, Erwartungen von außen zu erfüllen, desto leichter wird es, unseren Hund wirklich zu sehen. Zu erkennen, was ihm leichtfällt – und was eben nicht. Vielleicht ist dein Hund kein Café-Hund. Dafür bleibt er entspannt alleine. Vielleicht liebt er Bewegung, aber keine engen Hundebegegnungen. Vielleicht braucht er mehr Sicherheit, mehr Unterstützung oder mehr Pausen.

Einen Hund zu verstehen, ihn in seinen Grenzen ernst zu nehmen und den Alltag passend zu gestalten, ist die Basis für Vertrauen. Wie in jeder Beziehung gilt: Je mehr wir uns die Mühe machen, den anderen wirklich zu verstehen, desto tiefer, stabiler und wertvoller wird diese Beziehung. Ganz nebenbei lösen sich dabei oft auch Dinge, die wir vorher als Probleme wahrgenommen haben.

Zum Schluss

Dein Hund hat nur eine begrenzte Anzahl an Sommern mit dir. Eine begrenzte Anzahl an Spaziergängen, Momenten und gemeinsamen Erfahrungen.

Vielleicht magst du dir in den nächsten Tagen einmal bewusst Zeit nehmen, deinen Hund zu beobachten – ohne Vergleich, ohne Bewertung. Einfach mit der Frage: Was kann mein Hund gut? Was braucht er? Was macht ihn genau so richtig, wie er ist?

Wenn der Fokus weniger auf äußeren Erwartungen liegt und mehr auf Verständnis, entsteht etwas viel Wertvolleres als ein vorzeigbarer Hund. Es entsteht eine schöne, tragfähige Beziehung.

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