Warum uns Labeln im Hundetraining nicht hilft.
„Schwieriger Hund.“
„Stur.“
„Unerzogen.“
„Der will dich kontrollieren.“
Solche Worte fallen im Hundetraining schnell. Oft ganz nebenbei. Und oft mit dem Gefühl, damit etwas erklärt zu haben.
Doch genau hier lohnt es sich, innezuhalten und genauer hinzuschauen.
In letzter Zeit ist mir das Thema Labeln im Hundetraining wieder sehr präsent geworden. Nicht, weil es neu wäre – sondern weil es sich noch einmal stärker in den Vordergrund geschoben hat. Und weil mir immer klarer wird, wie sehr Worte unsere Wahrnehmung, unsere Haltung und letztlich auch unsere Beziehung zum Hund beeinflussen.
„Schwieriger Hund.“
„Stur.“
„Unerzogen.“
„Der will dich kontrollieren.“
Solche Worte fallen im Hundetraining schnell. Oft ganz nebenbei. Und oft mit dem Gefühl, damit etwas erklärt zu haben.
Doch genau hier lohnt es sich, innezuhalten und genauer hinzuschauen.
In letzter Zeit ist mir das Thema Labeln im Hundetraining wieder sehr präsent geworden. Nicht, weil es neu wäre, sondern weil es sich noch einmal stärker in den Vordergrund geschoben hat. Und weil mir immer klarer wird, wie sehr Worte unsere Wahrnehmung, unsere Haltung und letztlich auch unsere Beziehung zum Hund beeinflussen.
Wenn Worte Denken lenken
Sprache ist nie neutral.
Worte lenken unser Denken und unser Denken lenkt unser Handeln.
Wenn wir einen Hund als „schwierig“ bezeichnen, passiert etwas sehr Subtiles. Unser Blick verengt sich. Wir erwarten Probleme. Wir suchen nach Bestätigung für das Label. Und wir geraten schnell in ein Gegeneinander.
Plötzlich stehen wir dem Hund gegenüber, statt neben ihm.
Labels wirken wie Abkürzungen. Sie vereinfachen komplexes Verhalten auf ein einziges Wort. Das kann sich erst einmal entlastend anfühlen, schließlich scheint die Ursache benannt. In Wirklichkeit ersetzen Labels aber häufig Beobachtung durch Bewertung.
Und damit nehmen sie uns genau das, was wir im Hundetraining am dringendsten brauchen: Offenheit für neue Lösungswege.
„Der ist stur.“
Oder braucht er gerade etwas anderes?
„Stur“ ist eines dieser Worte, die Verhalten scheinbar erklären, aber eigentlich nichts erklären.
Es sagt nichts über Motivation, Emotion, Lernerfahrungen oder den Kontext aus.
Ein Hund, der nicht mitmacht, ist nicht automatisch stur.
Vielleicht ist er überfordert.
Vielleicht ist er unsicher.
Vielleicht ist er müde.
Vielleicht versteht er die Aufgabe nicht.
Vielleicht braucht er gerade etwas anderes als das, was wir von ihm erwarten.
Das Label „stur“ blendet all diese Möglichkeiten aus, noch bevor wir sie überhaupt prüfen.
„Der will dich kontrollieren.“
Oder sucht er Orientierung?
Auch dieses Label hat eine enorme Wirkung.
Es lenkt den Blick auf Macht, Absicht und Gegnerschaft. Der Hund wird zum Akteur mit fragwürdiger Motivation.
Doch was passiert, wenn wir diese Brille absetzen?
Viele Verhaltensweisen, die als „kontrollierend“ bezeichnet werden, haben mit Unsicherheit, Stress oder fehlender Orientierung zu tun. Mit dem Versuch, eine Situation irgendwie handhabbar zu machen.
Die Frage verändert alles.
Nicht: Was will der Hund mir antun?
Sondern: Was versucht er gerade zu bewältigen?
„Unerzogen.“
Oder hat er das einfach noch nicht gelernt?
„Unerzogen“ klingt endgültig. Fast wie ein Urteil.
Dabei sagt dieses Wort nichts darüber aus, was ein Hund tatsächlich kann oder nicht kann.
Hunde kommen nicht mit einem fertigen Verhaltensrepertoire auf die Welt. Fähigkeiten müssen gelernt, aufgebaut und gefestigt werden. In einem Tempo, das zum Hund passt, unter Bedingungen, die Lernen überhaupt möglich machen.
Ein Hund ist nicht unerzogen.
Vielleicht hatte er bisher einfach keine Gelegenheit, bestimmte Fähigkeiten zu lernen.
Oder keine passenden Rahmenbedingungen.
Oder keine verständliche Anleitung.
Diese Perspektive verändert nicht nur den Blick auf den Hund, sondern auch unsere Verantwortung als Mensch.
Warum Labeln ein Gegeneinander erzeugt
Labels trennen.
Sie stellen uns auf die eine Seite und den Hund auf die andere.
Der Hund wird zum Problem, das gelöst werden muss.
Sein Verhalten wird moralisch bewertet, statt funktional verstanden.
Bedürfnisorientiertes Hundetraining lebt aber von Zusammenarbeit. Von Beziehung. Von dem gemeinsamen Blick auf Situationen, statt von Zuschreibungen.
Wenn wir anders sprechen, fragen wir anders.
Und wenn wir anders fragen, handeln wir anders.
Impulse, die das Thema wieder geschärft haben
Gerade durch das letzte Meeting mit den Leuchties, den „Heller leuchten“-Mitgliedern rund um Rica Dog Life Coaching, ist dieses Thema für mich noch einmal sehr präsent geworden. Nicht als neue Erkenntnis, sondern als etwas, das sich wieder stärker in den Vordergrund geschoben hat.
Ähnlich ging es mir beim aktuellen Podcast von Astrid Sperlich Mantrailing: Time to Shine. Auch dort wird sehr klar, wie sehr unsere Wortwahl beeinflusst, wie wir Hunde wahrnehmen und wie wir mit ihnen arbeiten, selbst in strukturierten Trainingssettings wie dem Mantrailing.
Solche Impulse erinnern mich immer wieder daran, wie wichtig es ist, Sprache bewusst zu hinterfragen.
Weniger Label. Mehr Beobachtung.
Vielleicht geht es am Ende genau darum.
Nicht jedes Verhalten sofort einzuordnen, sondern erst einmal wahrzunehmen.
Nicht vorschnell zu erklären, sondern neugierig zu bleiben.
Weniger Label.
Mehr Beobachtung.
Mehr Zusammenarbeit.
Und mehr Raum für Hunde, die mehr sind als ein Wort.
Hunde trainieren ohne Strafe - geht das?
1. Kann ich meinen Hund erziehen, ohne ihn zu bestrafen?
Ja, das ist möglich. Hunde lassen sich gut über Belohnungen sowie durch Rücksichtnahme auf ihre Emotionen, ihr Nervensystem und ihre Bedürfnisse begleiten. Auf diese Weise können sie Schritt für Schritt alltagsrelevante Kompetenzen entwickeln.
Dafür braucht es Wissen über die Motivation des Hundes, gutes Timing und die Bereitschaft, genau hinzuschauen und den eigenen Hund wirklich zu verstehen. Hunde lernen nachhaltiger, wenn sie wissen, was sie tun sollen, statt aus Angst zu vermeiden, was sie falsch machen könnten. Dieses Prinzip gilt nicht nur für Hunde, sondern für alle Säugetiere – auch für uns Menschen.
1. Kann ich meinen Hund erziehen, ohne ihn zu bestrafen?
Ja – Hundetraining kann ohne bewusst eingesetzte Strafen funktionieren. Verhalten lässt sich über positive Verstärkung, klare Anleitung und passende Trainingsbedingungen zuverlässig aufbauen. Wenn wir den emotionalen Zustand, das Erregungsniveau und die Bedürfnisse des Hundes berücksichtigen, kann er Schritt für Schritt alltagsrelevante Kompetenzen entwickeln.
Dafür braucht es Wissen über die Motivation des Hundes, gutes Timing und die Bereitschaft, genau hinzuschauen und den eigenen Hund wirklich zu verstehen. Hunde lernen nachhaltiger, wenn sie wissen, was sie tun sollen, statt aus Angst zu vermeiden, was sie falsch machen könnten. Dieses Prinzip gilt nicht nur für Hunde, sondern für alle Säugetiere – auch für uns Menschen.
Ganz vermeiden lassen sich unangenehme Erfahrungen im Alltag allerdings nicht immer. Zieht ein Hund zum Beispiel plötzlich los und prallt ins Leinenende, ist das für ihn ebenfalls unangenehm. Das ist jedoch keine bewusst eingesetzte Strafe, sondern eine unbeabsichtigte Folge der Situation.
Der Unterschied im positiv aufgebauten Training liegt darin, solche unangenehmen Erlebnisse nicht gezielt herbeizuführen oder als Trainingsmittel zu nutzen. Stattdessen arbeitet man bewusst mit belohnenden Erfahrungen und baut erwünschten Alternativen auf. Und letztlich entscheidet immer der individuelle Hund: Was sich für ihn gut anfühlt, wirkt belohnend – was sich unangenehm anfühlt, wirkt bestrafend.
2. Heißt das: nie „Nein“ sagen?
Viele Dinge lassen sich im Training ganz ohne ein „Nein“ vermitteln. Dieses Wort ist häufig bereits negativ belegt oder wird unbewusst mit Ärger, Frust oder Strafe verknüpft – für den Hund ist es daher oft wenig hilfreich oder sogar verunsichernd. Stattdessen kann man zum Beispiel ein positiv aufgebautes Signal wie „Lass es“ verwenden. Dabei lernt der Hund, sich von etwas abzuwenden und sich seinem Menschen zuzuwenden – und wird genau dafür belohnt. So erfährt er klar, welches Verhalten erwünscht ist. Das ist für Hunde in der Regel angenehmer und kommt ohne Erschrecken, Drohen oder andere strafbasierte Reaktionen aus. Letztlich ist jedoch nicht das konkrete Wort entscheidend, sondern wie es aufgebaut und verknüpft wird. Auch ein „Nein“ kann funktionieren, wenn es ruhig, fair und positiv trainiert wurde.
3. Lernen Hunde dann nur noch für Leckerlis?
Leckerlis sind für viele Hunde eine praktische und effiziente Belohnung im Training. Dabei ist es hilfreich, zwischen Locken und Belohnen zu unterscheiden. Beim Locken wird dem Hund das Futter zunächst gezeigt, um ein Verhalten anzubahnen – das kann gerade am Anfang eine sinnvolle Unterstützung sein, um dem Hund zu helfen was gemeint ist. Wichtig ist jedoch, diese Hilfe nach und nach wieder auszuschleichen. Im weiteren Training mit positiver Verstärkung bekommt der Hund die Belohnung, nachdem er das gewünschte Verhalten gezeigt hat. So lernt er nicht „fürs Leckerli“, sondern übt und festigt ein Verhalten, das sich für ihn lohnt. Das Leckerli ist dabei nicht der Auslöser des Verhaltens, sondern die Rückmeldung danach – eine Art Feedback, dass er auf dem richtigen Weg ist. Und genau darum geht es: Lernen funktioniert besser, wenn es sich gut anfühlt und sich auszahlt. Futter ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten. Hunde haben – genau wie wir – unterschiedliche Bedürfnisse, Emotionen und Motivationen. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, was für den einzelnen Hund in einer bestimmten Situation wirklich wertvoll ist.
Ein jagdlich motivierter Hund ist bei einer Wildsichtung möglicherweise deutlich motivierter, auf den Rückruf zu hören, wenn er anschließend ein gemeinsames Spiel mit seinem Menschen erwartet statt eines Leckerlis. Für andere Hunde können auch Aktivitäten wie Schnüffeln, Buddeln, Wälzen oder kleine Tricks eine attraktive Belohnung sein. Solche Lieblingsverhalten lassen sich gezielt ins Training einbauen. Entscheidend ist also nicht die Art der Belohnung, sondern dass sie zum Hund und zur Situation passt. Denn Hunde lernen – genau wie wir – am besten in einer positiven, freudigen Erwartung von Erfolg und Wertschätzung.
4. Und was tun, wenn der Hund an der Leine pöbelt?
Auch dieses Verhalten lässt sich ohne Bestrafung verändern. Statt den Hund für sein Reagieren zu maßregeln, wird ein alternatives, erwünschtes Verhalten Schritt für Schritt aufgebaut. Gleichzeitig werden die auslösenden Reize zunächst reduziert und später langsam und kontrolliert wieder hinzugefügt. So kann der Hund in einem Rahmen lernen, in dem er ansprechbar und aufnahmefähig bleibt.
Warum das sinnvoll ist, lässt sich gut mit einer Alltagssituation vergleichen: Ein Kind, das sich in Mathe unsicher fühlt und für jeden Fehler angeschrien wird, wird dadurch kaum besser lernen. Wahrscheinlicher ist, dass es noch nervöser wird, blockiert oder weitere Fehler macht. Erklärt man ihm die Aufgaben dagegen ruhig und in kleinen, überschaubaren Schritten, kann es erste Erfolge erleben. Diese Erfolgserlebnisse stärken das Selbstvertrauen, die Angst nimmt ab – und genau darauf lässt sich weiter aufbauen.
Genauso profitieren auch Hunde davon, wenn sie schwierige Situationen kleinschrittig, positiv und ohne Druck bewältigen dürfen. So entstehen langfristig mehr Sicherheit und gelasseneres Verhalten an der Leine.
5. Funktioniert das auch bei ängstlichen und reaktiven Hunden?
Gerade bei z.B. ängstlichen Hunden oder reaktiv reagierenden Hunden, ist man nicht gut beraten, mit Strafen zu arbeiten, da diese die zugrunde liegenden, negativen Emotionen noch weiter verstärken können. Zeigt ein Hund beispielsweise in einer Situation aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden und wird dazu noch bestraft durch seinen Menschen, wird er Hundebegegnungen danach kaum optimistischer einschätzen - im Gegenteil: Seine Anspannung oder Angst kann weiter zunehmen. Nimmt man sich jedoch Zeit, den Hund und die zugrundeliegenden Emotionen zu verstehen, kann man ihm im zweiten Schritt helfen, alternative Verhaltensweisen zu entwickeln. Schritt für Schritt lernt er, mit herausfordernden Situationen gelassener umzugehen, anstatt zum Beispiel in die Leine zu springen. Dadurch werden diese Begegnungen für ihn langfristig angenehmer und besser bewältigbar. Wichtig ist dabei ein sorgfältiger Trainingsaufbau: Das Lernen beginnt nicht direkt in schwierigen Situationen, sondern zunächst in einer reizarmen Umgebung. Oft startet das Training zu Hause, wo der Hund entspannt neue Strategien einüben kann.
6. Aber ist das Training mit Strafen nicht schneller und effizienter?
Die Korrektur durch einen Schreckreiz (z.B. aufstampfen) oder ein ausdrucksstarkes “Nein” kann im ersten Moment vielleicht effizient erscheinen. Wenn man den Hund erschreckt, hat man meist eine sofortige Reaktion und unterbricht damit das unerwünschte Verhalten. Aversive Methoden haben jedoch häufig Nebenwirkungen: Sie können Stress, Angst oder Unsicherheit auslösen und im ungünstigen Fall sogar aggressives Verhalten verstärken. Ein Hund, der unter Druck steht, lernt schlechter und entwickelt möglicherweise neue Probleme, statt nachhaltige Lösungen. Zudem kann das Vertrauen in den Menschen leiden – und genau dieses Vertrauen ist die Grundlage für erfolgreiches Training.
Ein positiv aufgebautes Training verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: Der Hund lernt klare Handlungsalternativen und erfährt, welches Verhalten sich lohnt. So entstehen langfristige Lernerfolge, mehr Sicherheit und eine stabile Orientierung am Menschen.
Für viele Menschen sind Hunde heute enge Alltagsbegleiter. Umso wichtiger ist ein Training, das auf Vertrauen, Orientierung und Zusammenarbeit basiert. Trotzdem wird häufig noch stark über Verbote, Blocken oder körperliche Einwirkung gearbeitet – oft, weil es lange Zeit so vermittelt wurde und viele Menschen es nicht anders kennengelernt haben.Dabei kann Training, das vor allem auf Fehler und Einschränkungen fokussiert ist, für beide Seiten frustrierend sein. Positives Training bringt hingegen wieder mehr Freude und Leichtigkeit in die Zusammenarbeit. Wenn Verständnis, Vertrauen und Motivation die Basis bilden, profitieren Mensch und Hund gleichermaßen. Denn Training sollte nicht nur funktionieren – es sollte sich auch gut anfühlen.
Kurze Spaziergänge sinnvoll gestalten
Das kennen wir alle: Manchmal ist im Alltag einfach nicht genug Zeit für eine große Gassirunde. Termine, Arbeit, Erschöpfung – das Leben passiert. Entscheidend ist dann weniger die Länge des Spaziergangs als vielmehr die Qualität und die Haltung, mit der wir ihn gestalten.
Lieber die Route verkürzen – aber mit Bedürfnissen wie Schnüffeln, Orientieren etc. im Blick
Statt die gewohnte Runde einfach schneller „abzuhaken“, kann es sinnvoller sein, bewusst eine kürzere Strecke zu wählen – und deinem Hund dort ausreichend Raum zum Schnüffeln, Umwelt scannen und “Hund sein” zu lassen. Gerade Schnüffeln ist ein zentrales Bedürfnis: Es ermöglicht Umwelterkundung, unterstützt Stressabbau und sorgt für mentale Auslastung. Gerade bei kurzen Spaziergängen lohnt es sich also, nicht an dieser Zeit zu sparen.
Das kennen wir alle: Manchmal ist im Alltag einfach nicht genug Zeit für eine große Gassirunde. Termine, Arbeit, Erschöpfung – das Leben passiert. Entscheidend ist dann weniger die Länge des Spaziergangs als vielmehr die Qualität und die Haltung, mit der wir ihn gestalten.
Lieber die Route verkürzen – aber mit Bedürfnissen wie Schnüffeln, Orientieren etc. im Blick
Statt die gewohnte Runde einfach schneller „abzuhaken“, kann es sinnvoller sein, bewusst eine kürzere Strecke zu wählen – und deinem Hund dort ausreichend Raum zum Schnüffeln, Umwelt scannen und “Hund sein” zu lassen. Gerade Schnüffeln ist ein zentrales Bedürfnis: Es ermöglicht Umwelterkundung, unterstützt Stressabbau und sorgt für mentale Auslastung. Gerade bei kurzen Spaziergängen lohnt es sich also, nicht an dieser Zeit zu sparen.
Beschäftigung zu Hause als sinnvolle Ergänzung
Wenn draußen weniger Zeit zur Verfügung steht, lässt sich der Spaziergang gut durch Beschäftigung zu Hause ergänzen. Schleckbälle, Schleckmatten, Futtersuchspiele oder einfache DIY-Ideen – wie Leckerchen in eingerollten Decken oder Papprollen zu verstecken – können deinem Hund zusätzliche Auslastung, Erfolgserlebnisse und Beschäftigung bieten.
Auch biologische Grundbedürfnisse im Blick behalten
Auch bei kurzen Runden sollte sichergestellt sein, dass dein Hund ausreichend Gelegenheit hat, sich zu lösen. Spaziergänge erfüllen nicht nur Bewegungs-, Wohlbefindens- und Erkundungsbedürfnisse, sondern auch körperliche Funktionen – all das darf mitgedacht werden, auch wenn die Zeit begrenzt ist.
Deine innere Haltung wirkt auf deinen Hund
Ein oft unterschätzter Faktor ist unsere eigene innere Haltung. Wenn wir sehr unter Druck stehen oder innerlich hetzen, überträgt sich das leicht auf den Hund. Wer bewusst etwas Tempo rausnimmt, ruhiger atmet und entspannter unterwegs ist, unterstützt häufig ganz automatisch auch die Entspannung des Hundes. Und wenn Menschen gelassener sind, fällt es vielen Hunden leichter, sich sicher und ruhig zu fühlen.
Ausgleich im Alltag
Wenn Spaziergänge einmal kürzer ausfallen, ist es sinnvoll, zu anderen Zeitpunkten bewusst mehr Raum für Bewegung, Schnüffeln und Aktivität einzuplanen. Je nach Hund, Alltag und Bedürfnissen können sich über den Tag oder die Woche hinweg verschiedene Möglichkeiten ergeben, um Auslastung, Erkundung und zusätzliche gemeinsame Zeit zu ermöglichen. Wie viel ein Hund braucht, ist dabei sehr individuell – und darf auch genau so betrachtet werden.
Übrigens: Gerade Hunde, die schnell von Umweltreizen gestresst sind (zum Beispiel ein Hund, der gerade aus dem Tierschutz zu dir nach Hause gekommen ist), profitieren auch von kleineren, sich wiederholenden Runden, weil diese mehr Sicherheit geben können und die Hunde weniger Reizen ausgesetzt sind.
Wenn du möchtest, schauen wir gemeinsam, was für deinen Hund individuell sinnvoll ist – denn jede Mensch-Hund-Konstellation bringt eigene Bedürfnisse und Möglichkeiten mit.
Bedürfnisorientiertes Mantrailing – was steckt dahinter?
Mantrailing ist eine Beschäftigung, die sich für erstaunlich viele Hunde eignet – und das hat einen ganz einfachen Grund: die Nase ist das große Talent des Hundes. Schnüffeln, Spuren verfolgen, Informationen über Gerüche aufnehmen – all das gehört zu den ureigensten Fähigkeiten unserer Hunde. Beim Mantrailing dürfen sie genau das tun, wofür sie gemacht sind.
Die Dimensionen sind dabei wirklich beeindruckend:
Die Riechschleimhaut eines Hundes umfasst je nach Rasse etwa 150–170 Quadratzentimeter. Beim Menschen sind es im Vergleich gerade einmal rund 5 Quadratzentimeter. Kein Wunder also, dass das Erschnüffeln von Spuren für Hunde nicht nur sinnvoll, sondern auch unglaublich erfüllend ist. Über die Nase gelangen unzählige Informationen ins Gehirn – der Hund arbeitet dabei mit dem Kopf, dem Körper und seinen Sinnen zugleich.
Mantrailing ist eine Beschäftigung, die sich für erstaunlich viele Hunde eignet – und das hat einen ganz einfachen Grund: die Nase ist das große Talent des Hundes. Schnüffeln, Spuren verfolgen, Informationen über Gerüche aufnehmen – all das gehört zu den ureigensten Fähigkeiten unserer Hunde. Beim Mantrailing dürfen sie genau das tun, wofür sie gemacht sind.
Die Dimensionen sind dabei wirklich beeindruckend:
Die Riechschleimhaut eines Hundes umfasst je nach Rasse etwa 150–170 Quadratzentimeter. Beim Menschen sind es im Vergleich gerade einmal rund 5 Quadratzentimeter. Kein Wunder also, dass das Erschnüffeln von Spuren für Hunde nicht nur sinnvoll, sondern auch unglaublich erfüllend ist. Über die Nase gelangen unzählige Informationen ins Gehirn – der Hund arbeitet dabei mit dem Kopf, dem Körper und seinen Sinnen zugleich.
Eine Gruppenaktivität – ohne sozialen Druck für den Hund
Ein weiterer schöner Aspekt am Mantrailing ist der soziale Rahmen: Man trifft sich als Gruppe, kommt mit anderen Hundemenschen ins Gespräch, tauscht sich aus und erlebt gemeinsam etwas. Für die Hunde selbst findet die Suche jedoch immer einzeln statt. Das bedeutet: Die Hunde müssen nicht miteinander interagieren. Jeder Hund arbeitet für sich – mit seinem Menschen. Dadurch eignet sich Mantrailing auch hervorragend für Hunde, die nicht oder nur eingeschränkt gruppenkompatibel sind oder auf andere Hunde unsicher reagieren.
Fokus auf Stärken statt auf „Probleme“
Im Alltag vieler Mensch-Hund-Teams liegt der Fokus häufig auf Herausforderungen oder sogenannten Problemen. Beim Mantrailing ist das anders. Hier steht im Mittelpunkt, was der Hund gut kann: seine Nase einsetzen! Dabei darf er Entscheidungen treffen, Spuren folgen, Selbstwirksamkeit erleben. Viele Halter*innen erfahren dabei einen Perspektivwechsel – weg von Problemdenken hin zu Staunen und Stolz. Oft beginnt es mit Unglauben („Hat mein Hund das gerade wirklich gerochen?“) und entwickelt sich zu einer tiefen, liebevollen Anerkennung der Fähigkeiten des eigenen Hundes.
Was bedürfnisorientiertes Mantrailing besonders macht
Beim bedürfnisorientierten Mantrailing wird das Training konsequent an den individuellen Hund angepasst – nicht umgekehrt. Ängste, Unsicherheiten, Erregungsniveau oder Vorerfahrungen werden ernst genommen und in die Gestaltung des Trainings integriert. Ein Beispiel: Hat ein Hund Angst vor Menschen, sucht er dennoch immer eine Versteckperson. Durch das Mantrailing kann sich seine Erwartungshaltung gegenüber Menschen langsam verändern – wenn das Ankommen passend gestaltet wird. Die Belohnung kann zum Beispiel einige Meter vor der Versteckperson liegen, der Mensch kann abgewandt stehen oder sich sogar ein Stück entfernen, wenn der Hund ihn gefunden hat. So bleibt die Situation für den Hund angenehm und sicher.
Auch der Start in die Suche wird flexibel gehandhabt. Es gibt ein Startsignal, das dem Hund Orientierung gibt – doch besonders bei sehr aufgeregten oder „zibbeligen“ Hunden müssen keine starren Rituale eingehalten werden. Der Start kann im Gehen erfolgen, es kann Futter gestreut werden und der Hund bekommt Zeit, sich zu regulieren.
Bedürfnisse auch in den Wartezeiten
Bedürfnisorientierung hört nicht bei der Suche auf. Auch die Wartezeiten werden individuell gestaltet. Üblicherweise verstecken sich die Halter*innen gegenseitig für die Hunde. Wenn ein Hund jedoch nicht gut alleine im Auto bleiben kann oder Trennung schwerfällt, können Hilfspersonen eingebunden oder Abläufe angepasst werden. Ziel ist immer: Der Hund soll sich sicher fühlen.
Mantrailing auf dem Geruchsband – Frustration vermeiden
Eine Besonderheit ist außerdem das Mantrailing auf dem Geruchsband. Der Suchauftrag lautet hier nicht einfach „Finde den Menschen“, sondern: Folge exakt der Spur, die der Mensch gegangen ist. Das hat große Vorteile: Wenn der Hund nicht spurtreu läuft, gelangt er ggf. zu unüberwindbaren Hindernissen – etwa Zäune, Gewässer, Privateigentum – und es kommt Frust auf. Frustration aktiviert das Stresssystem im Körper, da dieses Energie bereitstellen muss. Genau das wollen wir nicht. Durch das Trailen auf dem Geruchsband bleibt der Hund in seiner Aufgabe, kann ruhig weiterarbeiten und erlebt gleichzeitig Selbstwirksamkeit und Erfolgsmomente.
Eine Beschäftigung, die verbindet
Mantrailing – und ganz besonders das bedürfnisorientierte Mantrailing – bringt Hund und Mensch auf eine besondere Weise zusammen. Es stärkt Vertrauen, Kooperation und gegenseitiges Verständnis. Der Hund, dessen Tag zumeist vom Menschen bestimmt wird, führt seine*n Besiter*in zum Ziel. Und der Mensch lernt zu lesen, zu beobachten und zu begleiten.
Für mich ist es deshalb eine der schönsten Beschäftigungsformen überhaupt: sinnvoll, individuell, verbindend – und getragen von Freude und Begeisterung auf beiden Seiten der Leine.
Druck lass nach
Wer kennt das nicht. Man geht mit dem eigenen Hund spazieren und kommt an einem fremden Hund vorbei. Der läuft locker an der Leine, schaut kurz, bleibt ruhig. Und im eigenen Kopf taucht dieser Gedanke auf: Mensch, warum geht das bei uns nicht so?
Oder man sitzt ohne Hund im Café, weil der eigene Hund damit (noch) überfordert wäre. Am Nebentisch liegt ein anderer Hund entspannt unter dem Stuhl, hebt nicht mal den Kopf. Und man denkt: Ach, wie schön wäre das.
Solche Gedanken sind menschlich. Sie passieren auch mir als Hundetrainerin. Sie dürfen da sein. Man darf sie wahrnehmen und auch kurz schade finden. Entscheidend ist nur, was wir im nächsten Moment daraus machen.
Wer kennt das nicht. Man geht mit dem eigenen Hund spazieren und kommt an einem fremden Hund vorbei. Der läuft locker an der Leine, schaut kurz, bleibt ruhig. Und im eigenen Kopf taucht dieser Gedanke auf: Mensch, warum geht das bei uns nicht so?
Oder man sitzt ohne Hund im Café, weil der eigene Hund damit (noch) überfordert wäre. Am Nebentisch liegt ein anderer Hund entspannt unter dem Stuhl, hebt nicht mal den Kopf. Und man denkt: Ach, wie schön wäre das.
Solche Gedanken sind menschlich. Sie passieren auch mir als Hundetrainerin. Sie dürfen da sein. Man darf sie wahrnehmen und auch kurz schade finden. Entscheidend ist nur, was wir im nächsten Moment daraus machen.
Jeder Hund ist ein Individuum – genau wie wir
Unser eigener Hund ist nicht weniger wert, nur weil er andere Dinge braucht oder andere Herausforderungen mitbringt. Hunde sind Individuen. Mit eigener Persönlichkeit, eigener Geschichte, eigenen Stärken und Schwächen.
Der eine Hund ist vielleicht unglaublich entspannt in Cafés, dafür aber wenig belastbar beim Alleinbleiben. Der andere ist sportlich, verspielt, ausdauernd – aber unsicher bei Hundebegegnungen. Und wieder ein anderer bringt Humor, Sensibilität oder eine besondere Nähe zu seinen Menschen mit.
Das ist nichts anderes als bei uns Menschen. In der Schule gab es die, denen Mathe leichtfiel. Andere waren sportlich, kreativ oder sozial besonders stark. Und ja, es gibt immer auch einzelne, bei denen man denkt, sie können irgendwie alles.
Oft spielen dabei Dinge eine Rolle, die wir kaum beeinflussen können. Genetische Voraussetzungen, frühe Erfahrungen, ein stabiler oder eben schwieriger Lebensstart. Gerade auch, aber nicht nur, bei Hunden aus dem Tierschutz.
Warum Vergleiche so viel Druck machen
Der Druck entsteht nicht durch den Vergleich selbst, sondern durch das Ziel, das wir daraus machen. Wenn unser innerer Maßstab plötzlich lautet, dass unser Hund nach außen hin möglichst vorzeigbar sein soll, verlieren wir leicht den Blick für das Wesentliche.
Denn seien wir ehrlich: Niemand von uns würde seinen Hund gegen einen anderen eintauschen – egal wie perfekt dieser vielleicht wirkt. Wir lieben diesen Hund. Und wir haben nur eine begrenzte gemeinsame Zeit. Das Ziel sollte deshalb nicht sein, dass andere denken: Mensch, ist das ein toll erzogener Hund. So schön Lob auch ist, es ist nicht der Grund, warum wir einen Hund haben.
Viel wichtiger ist doch, dass unser Alltag, den wir vielleicht auch an unseren Hund angepasst haben, mit diesem Hund funktioniert. Dass wir uns verstehen. Dass wir gemeinsam eine gute Zeit haben.
Beziehung entsteht durch Verständnis, nicht durch Perfektion
Je weniger wir versuchen, Erwartungen von außen zu erfüllen, desto leichter wird es, unseren Hund wirklich zu sehen. Zu erkennen, was ihm leichtfällt – und was eben nicht. Vielleicht ist dein Hund kein Café-Hund. Dafür bleibt er entspannt alleine. Vielleicht liebt er Bewegung, aber keine engen Hundebegegnungen. Vielleicht braucht er mehr Sicherheit, mehr Unterstützung oder mehr Pausen.
Einen Hund zu verstehen, ihn in seinen Grenzen ernst zu nehmen und den Alltag passend zu gestalten, ist die Basis für Vertrauen. Wie in jeder Beziehung gilt: Je mehr wir uns die Mühe machen, den anderen wirklich zu verstehen, desto tiefer, stabiler und wertvoller wird diese Beziehung. Ganz nebenbei lösen sich dabei oft auch Dinge, die wir vorher als Probleme wahrgenommen haben.
Zum Schluss
Dein Hund hat nur eine begrenzte Anzahl an Sommern mit dir. Eine begrenzte Anzahl an Spaziergängen, Momenten und gemeinsamen Erfahrungen.
Vielleicht magst du dir in den nächsten Tagen einmal bewusst Zeit nehmen, deinen Hund zu beobachten – ohne Vergleich, ohne Bewertung. Einfach mit der Frage: Was kann mein Hund gut? Was braucht er? Was macht ihn genau so richtig, wie er ist?
Wenn der Fokus weniger auf äußeren Erwartungen liegt und mehr auf Verständnis, entsteht etwas viel Wertvolleres als ein vorzeigbarer Hund. Es entsteht eine schöne, tragfähige Beziehung.