Entspannt alleine bleiben – warum das für manche Hunde so schwer ist

„Der muss das einfach lernen.“ Ein Satz, den viele Menschen mit einem Hund hören, der nicht gut alleine bleiben kann. Doch so einfach ist es oft nicht.

Für manche Hunde ist Alleinbleiben mit starkem Stress verbunden. Manche bellen, laufen unruhig umher oder zerstören Dinge. Andere wirken nach außen ruhig, stehen innerlich aber trotzdem unter Spannung. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Alleinbleiben ist nicht einfach „nichts tun“

Hunde sind soziale Lebewesen. Allein zu bleiben bedeutet für sie nicht automatisch Entspannung. Wie gut ein Hund mit Trennung umgehen kann, hängt von vielen Faktoren ab:

  • bisherigen Erfahrungen

  • genetischer Veranlagung

  • Alltag

  • Erregungsniveau

  • Tagesform

  • Sicherheitsgefühl

  • Gesundheit

  • Schlaf und Stresslevel

  • Bindungserfahrungen

  • und so weiter

Deshalb gibt es auch nicht den einen Trainingsplan, der für jeden Hund funktioniert.

Trennungsangst, Angst oder Frust?

Auch das ist wichtig zu unterscheiden.

Manche Hunde haben starke Angst oder Panik beim Alleinsein. Andere zeigen vor allem Frust oder Unsicherheit. Von außen sieht das manchmal ähnlich aus. Allgemein lohnt sich oft eine genaue Beobachtung:

  • Wann beginnt der Stress? Das ist meistens bevor der Hund beginnt zu bellen.

  • Welches Verhalten zeigt der Hund?

  • Welche Bedürfnisse hat der Hund, die während des Alleinebleibens nicht erfüllt werden können?

  • Gibt es Unterschiede je nach Tageszeit oder Situation?

  • Hat der Hund insbesondere Stress, wenn eine bestimmte Bezugsperson nicht da ist, oder generell, sobald niemand mehr anwesend ist?

Lernen durch Aushalten?

Hunde können lernen, mit Trennungen besser umzugehen. Lernen fällt Hunden leichter, wenn sie sich in einem Zustand befinden, in dem ihr Nervensystem Lernen überhaupt zulässt. Dabei ist es wichtig, dass der Hund lernt, dass er die Zeit des Alleinseins bewältigen kann.

Bedürfnisbefriedigung spielt eine große Rolle

Beim Alleinbleiben geht es nicht nur um das eigentliche Training. Auch der restliche Alltag spielt eine wichtige Rolle.

Ein Hund, dessen Bedürfnisse regelmäßig berücksichtigt werden, hat oft bessere Voraussetzungen, um mit Trennung umzugehen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • ausreichend Ruhe

  • soziale Interaktion

  • Möglichkeiten für Erkundungsverhalten

  • passende Beschäftigung

  • Vorhersagbarkeit im Alltag

  • körperliches und emotionales Wohlbefinden

Auch direkt vor dem Alleinebleiben ist eine Überprüfung der Bedürfnisbefriedigung sinnvoll und wichtig. Für manche Hunde helfen beispielsweise vor der Alleinebleibsequenz Nähe oder Schnüffelmöglichkeiten mehr als ein besonders langer Spaziergang oder ein Ballspiel.

Und auch während des Alleinbleibens lohnt sich die Frage: Wie können wir dem Hund helfen, bestimmte Bedürfnisse auch ohne unser Beisein zu erfüllen.

Management ist kein Scheitern

Eine wichtige, erste Trainingsmaßnahme kann zunächst sein, Stress zu reduzieren.

Zum Beispiel durch:

  • Betreuung organisieren

  • Trennungen vorübergehend verkürzen

  • Bedürfnisbefriedigung im Alltag verbessern

  • Reizlevel insgesamt senken

Denn ein Hund, der dauerhaft überfordert ist, lernt deutlich schlechter.

Typische Tipps funktionieren nicht pauschal

Rund um das Thema Alleinbleiben kursieren viele pauschale Tipps.

Zum Beispiel:

  • „Power den Hund vorher richtig aus.“

  • „Nimm ständig den Schlüssel in die Hand, damit er sich daran gewöhnt.“

  • „Ignoriere deinen Hund, wenn du nach Hause kommst.“

Solche Tipps funktionieren nicht bzw. nicht automatisch für jeden Hund.

Teilweise wird Menschen sogar geraten, die Wohnung heimlich zu verlassen, wenn der Hund schläft. Das kann jedoch Unsicherheit fördern, weil der Hund lernt, dass Bezugspersonen plötzlich verschwinden können.

Entspannt alleine bleiben bedeutet nicht automatisch schlafen

Entspannt alleine zu bleiben bedeutet auch, „normales“ Verhalten zu zeigen.

Zum Beispiel:

  • sich umschauen

  • trinken

  • den Liegeplatz wechseln

  • spielen

  • ruhen

  • aus dem Fenster schauen

  • und so weiter

Entscheidend ist nicht absolute Bewegungslosigkeit, sondern ob der Hund insgesamt in einem Zustand bleibt, in dem er mit der Situation gut zurechtkommt.

Manipuliert vom eigenen Hund?

Ein Hund, der nicht gut alleine bleiben kann, ist nicht „dominant“, „verwöhnt“ oder „manipulativ“. Oft steckt dahinter einfach ein Hund, der mit einer Situation emotional noch nicht gut zurechtkommt. Du möchtest, dass dein Hund endlich auch entspannt alleine bleibt? Der nächste „Entspannt alleine bleiben“-Kurs von Luna Lernt startet bald - melde dich frühzeitig bei mir, um dir einen Platz zu sichern.

Zurück
Zurück

Reizend: Ruhig neue Reize erleben statt immer nur Action

Weiter
Weiter

Drei Möglichkeiten, den Rückruf Deines Hundes zu stärken