Drei Möglichkeiten, den Rückruf Deines Hundes zu stärken

Drei Möglichkeiten, den Rückruf deines Hundes zu stärken

Ein zuverlässiger Rückruf gehört zu den wichtigsten Signalen im Alltag mit Hund. Gleichzeitig ist er für viele Hundehalterinnen und Hundehalter eine der größten Trainingsbaustellen. Besonders draußen, wenn spannende Gerüche, Bewegungen oder andere Hunde ins Spiel kommen, wird das Zurückkommen schnell schwieriger.

Die gute Nachricht ist: Rückruf lässt sich sehr gut trainieren, wenn man ihn sinnvoll aufbaut und dem Hund die Möglichkeit gibt, Schritt für Schritt erfolgreich zu sein. Im Folgenden findest du drei Ansätze, mit denen du den Rückruf deines Hundes gezielt verbessern kannst.

Training dort beginnen, wo dein Hund Erfolg haben kann

Wenn du merkst, dass der Rückruf noch nicht zuverlässig funktioniert, lohnt es sich oft, zunächst einen Schritt zurückzugehen. Damit ist nicht gemeint, dass du wieder ganz von vorne anfangen musst. Vielmehr geht es darum, die Trainingssituation so zu wählen, dass dein Hund eine realistische Chance hat, die Aufgabe zu bewältigen.

Ein guter Trainingsort kann zum Beispiel dein Zuhause sein, ein eigener Garten oder eine ruhige Wiese, auf der wenig Ablenkung vorhanden ist. In einer solchen Umgebung kann dein Hund sich besser auf dich konzentrieren und den Rückruf zunächst sicher lernen.

Wenn das gut funktioniert, kannst du nach und nach weitere Herausforderungen einbauen. Das kann eine neue Umgebung sein, eine größere Distanz zwischen euch oder leichte Ablenkungen. Wichtig ist dabei, immer nur eine Schwierigkeit gleichzeitig zu steigern. Wenn ihr zum Beispiel an einem neuen Ort trainiert, sollte die Übung selbst zunächst einfach bleiben. Kommen mehrere neue Faktoren gleichzeitig hinzu, wird es für viele Hunde schnell zu viel.

Dieses Prinzip ist im Hundetraining sehr hilfreich, weil es deinem Hund ermöglicht, möglichst oft erfolgreich zu sein. Genau diese Erfolgserlebnisse sorgen dafür, dass der Rückruf immer stabiler wird.

Rückruftraining mit gezielter Ablenkung

Wenn dein Hund den Rückruf in ruhiger Umgebung bereits gut beherrscht, kannst du beginnen, kontrollierte Ablenkungen einzubauen. Eine schöne Übung dafür funktioniert mit einem geworfenen Leckerchen und zum Beispiel einem Lotusball, also einem kleinen Ball, den man mit Futter befüllen kann.

Du wirfst zunächst ein Leckerchen ein kleines Stück weg, sodass dein Hund darauf zuläuft. Während er unterwegs ist, rufst du ihn zurück. Wenn er sich umdreht und zu dir orientiert, wirfst du in die entgegengesetzte Richtung den Lotusball. Darin befindet sich in diesem Beispiel eine größere Menge an Futter oder eine besonders hochwertige Belohnung.

Der Hund lernt dabei etwas sehr Wichtiges: Es lohnt sich, sich von einem Reiz abzuwenden und sich an seinem Menschen zu orientieren.

Während dein Hund den Lotusball öffnet und das Futter frisst, bleibt das ursprüngliche Leckerchen weiterhin liegen. Danach kannst du ihn sogar noch einmal dorthin schicken, damit er es sucht. So hat dein Hund mehrere Erfolgserlebnisse und gleichzeitig eine sehr positive Erfahrung mit dem Zurückkommen.

Beim Aufbau dieser Übung solltest du darauf achten, das erste Leckerchen nicht zu weit oder mit zu viel Schwung zu werfen. Am Anfang kann es sogar hilfreich sein, es einfach nur auf den Boden zu legen. Beginne in einer eher reizarmen Umgebung und steigere die Schwierigkeit erst nach und nach.

Gerade für Hunde mit Jagdinteresse kann diese Übung sehr wertvoll sein, weil sie lernen, dass sich Umorientierung zum Menschen auch dann lohnt, wenn etwas Spannendes vor ihnen liegt. Später kann man die Ablenkung auch weiter steigern, zum Beispiel durch eine Reizangel oder eine bewegte Attrappe.

Den Rückruf in zwei Schritte aufteilen

Manchmal fällt es Hunden schwer, auf ein Signal gleichzeitig mehrere Dinge zu tun. Beim klassischen Rückruf sollen sie stehen bleiben, sich umdrehen und anschließend zu ihrem Menschen laufen. Für viele Hunde ist das kognitiv eine recht komplexe Aufgabe.

Deshalb kann es hilfreich sein, den Rückruf in zwei Signale aufzuteilen. Zuerst baust du ein Aufmerksamkeits- oder Umorientierungssignal auf. Dieses Signal bedeutet lediglich, dass der Hund sich zu dir umdrehen und dich anschauen soll. Ein mögliches Signal könnte zum Beispiel „Schau mal“ sein. Wenn dein Hund sich in deiner Nähe befindet, sagst du das Signal und belohnst ihn sofort, sobald er dich anschaut. Durch viele Wiederholungen lernt dein Hund schnell, dass es sich lohnt, sich auf dieses Wort hin zu dir umzudrehen.

An dieses Aufmerksamkeitsignal kannst du anschließend einen sogenannten Anker anschließen. Das ist eine kurze, motivierende Lautfolge, mit der du deinen Hund gewissermaßen zu dir einlädst (so lange, bis er da ist). Viele Menschen nutzen dafür kurze Wörter wie „zack zack zack“ oder „hopp hopp hopp“. Wichtig ist, dass es etwas ist, das dir leicht über die Lippen geht und nicht zu lang ist.

Während dein Hund auf dich zuläuft, kannst du ihn damit anfeuern. Die Abstände zwischen den Worten werden kürzer, je näher der Hund kommt. Viele Hunde reagieren sehr motiviert auf diese Art von Ansprache.

Am Anfang übst du auch das in geringer Distanz. Wenn dein Hund zuverlässig auf dich zuläuft, kannst du die Entfernung nach und nach vergrößern. Funktionieren beide Signale gut, kannst du sie miteinander kombinieren. Zuerst kommt das Aufmerksamkeitsignal, damit dein Hund sich zu dir orientiert, danach folgt der Anker, der ihn zu dir einlädt.

Belohnungen sinnvoll variieren

Ein Punkt, der beim Rückruftraining oft unterschätzt wird, ist die Art der Belohnung. Viele Menschen arbeiten ausschließlich mit Futter. Das ist grundsätzlich völlig in Ordnung, aber es kann sinnvoll sein, die Belohnung gelegentlich zu variieren.

Belohnung bedeutet für Hunde nicht nur Futter. Auch Bewegung, Spiel oder gemeinsames Rennen können sehr motivierend sein.

Besonders hilfreich ist es, den Hund bei seinem aktuellen Aktivitätslevel abzuholen. Wenn dein Hund gerade ruhig unterwegs ist, passt eine Futterbelohnung oft sehr gut. Ist er dagegen sehr aufgeregt oder voller Energie, kann ein kurzes Hetzspiel oder ein gemeinsames Rennen eine deutlich stärkere Belohnung sein.

Je besser die Belohnung zur aktuellen Situation passt, desto eher wird dein Hund lernen, dass es sich wirklich lohnt, zu dir zurückzukommen.

Fazit

Ein stabiler Rückruf entsteht selten über Nacht. Mit einem durchdachten Aufbau, passenden Trainingssituationen und guten Belohnungen lässt er sich jedoch sehr zuverlässig entwickeln.

Wichtig ist vor allem, dass dein Hund immer wieder erlebt, dass sich das Zurückkommen zu dir lohnt. Wenn Training verständlich aufgebaut ist und viele Erfolgserlebnisse enthält, wird der Rückruf mit der Zeit immer sicherer und entspannter für euch beide.

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